Aus gegebenen Anlass und weil es mir in letzter Zeit mehr und mehr auffiel, unter welchem Stress die Hunde stehen, sobald sie den Platz zum Arbeiten betreten, habe ich mich aufgemacht, etwas zu finden, das Euch allen die Signale, die ein Hund unter Stress abgibt zu deuten. Doch dazu bedarf es einiger Erläuterungen, die verdeutlichen, was ist Stress, was kann dieser Stress auslösen, wie entsteht Stress. So kann ich meinen Beobachtungen noch hinzufügen:
Die Spielstunde kann für einen Hund schon der pure Stress sein.
Die Gruppenarbeit kann für einen leinenagressiven Hund purer Stress sein.
Vielleicht sollte im Einzeltraining zuerst darauf hin gearbeitet werden, das der Hund seine Unsicherheit an der Leine verliert und der Halter lernt, richtig zu reagieren.
Beides, Gruppentraining und danach Einzeltraining kann schon eine Überforderung sein.
Der Aufenthalt auf der Terrasse oder im Vereinshaus sorgt auch oft für Stress.
Nach einer Beißerei sollte das Arbeiten mit dem Hund besser ad acta gelegt werden. Der hormonelle Aufruhr hält noch lange an.
Negativer Idealfall: Hund geht in die Spielstunde, hat dort eine Auseinandersetzung mit leichter Beißerei, danach zur Gruppenarbeit, danach Einzelarbeit. Dazwischen auf der Terrasse – nicht wundern, wenn der Hund völlig aus dem Ruder läuft (alles schon dagewesen).
Ich möchte Euch nicht vorschreiben, was Ihr wie mit Euren Hunden macht sondern Euch nur ein wenig versuchen zu sensibilisieren, auf die Signale Eurer Hunde zu achten.
Welche Signale zeigt Euch denn Euer Hund?
Das ist natürlich sehr vielseitig und ganz breit gefächert. Hinzu kommt, nicht alle Hunde sind gleich. Dennoch gibt es einige Dinge, die man unbedingt beachten sollte:
° Pinkeln/Koten
° Rammeln
° Hecheln/schnelles Atmen
° Bellen
° Auf etwas rumkauen
Dies sind, wie gesagt, Anzeichen dafür, dass Euer Hund – aus welchem Grund auch immer – völlig gestresst ist. Er kann im Einzelfall mit der gegebenen Situation nicht umgehen, weiß nicht mehr weiter. Er kommt in einen, für ihn, unheimlichen Konflikt. Diesen Konflikt versucht er, mit Eurer Hilfe, zu lösen bzw. zu beschwichtigen oder zu beruhigen. Dafür zeigt er Euch dementsprechende Beschwichtigungssignale. Das absolut positive an diesen Signalen ist, das auch wir sie, mit etwas Übung genauso anwenden können, wie unser Hund. Versucht es einfach mal – ihr werdet Euch wundern, dass Euer Hund Euch auf einmal besser versteht.
Einige Beschwichtigungssignale sind:
° Blinzeln
° Schmatzen
° Gähnen
° Lächeln
° Über den Fang lecken
° Schnüffeln
° Blick verkürzen oder abwenden
° Kopf senken oder abwenden
° Körper abwenden
° Sich hinsetzen oder hinlegen
° Erstarren / Einfrieren
° Ignorieren
° Gaaanz langsame Bewegungen
° Übersprungshandlungen
° und natürlich vieles mehr
Es können natürlich mehrere Signale gleichzeitig oder direkt hintereinander gezeigt werden.
Doch warum soll ich Euch mit irgendwelchen Halbwahrheiten oder Bauchentscheidungen oder sonstigen Vermutungen kommen. Es gibt Leute, die sich schon sehr lange damit und das sogar auf Studienbasis, beschäftigt haben. Bei diesen Leuten kann man Seminare besuchen, um sich besser zu verständigen oder aber deren Bücher lesen. Hier eine kleine Auswahl: Stress bei Hunden von Martina Nagel und Clarissa von Reinhardt, Calming Signals Workbook von Clarissa von Reinhardt und Martina Scholz, Calming Signals – Die Beschwichtigungssignale der Hunde von Turid Rugaas
Stress und Beschwichtigungssignale kennen und richtig deuten ist wichtig, denn so können wir unserem Hund signalisieren, dass wir ihn verstehen. Ein großer Schritt in Richtung Kommunikation ist getan. Die Vertrauensbasis wird erhöht und unser Hund wird es uns danken.
Ich hoffe Euch allen, die der Meinung sind, das ihr Hund gestresst wirkt aber es nicht sicher wissen, ein wenig weiter geholfen zu haben.
Herzlichst
Euer Peter
Autor: Peter Doniniak Ertsellt 16.07.2010